Lieber gleich zum Fachmann

Juni 27, 2010  |  

Pech gehabt: Endlich ein eigenes Häuschen, ruhig in einem Hürther Stadtteil gelegen. Mit einem kleinen Garten. Für Johannes und Petra M. (Name der Redaktion bekannt) schien das Glück perfekt. Auch wenn noch eine Reihe von Renovierungsarbeiten zu erledigen waren.

Das war im Frühjahr 2005. Auf der Suche nach einem möglichst günstigen Angebot für die Fliesenarbeiten im Erdgeschoss fand Johannes M. bei seinen Recherchen im Internet die Adresse ‚www.jobdo.de’. Dort können Auftraggeber zu erledigende Arbeiten quasi versteigern. Der Clou an der Sache: Handwerker, die den Auftrag haben möchten, müssen ein möglichst niedriges Angebot abgeben. “Das erschien uns sehr attraktiv”, erinnert sich Johannes M. M. schrieb daraufhin die Arbeiten im Internet detailliert aus: Küche, Dielenboden und das Gästebad im Erdgeschoss sollten neu gefliest werden. “Wir haben auch Fotos von den Räumen dazugetan und genau beschrieben, welche Arbeiten ausgeführt werden sollten. Als Ausgangspreis hatten wir 1.500 Euro angegeben.”

Die Fliesen hatten die M’s schon gekauft. Nach 14 Tagen und insgesamt neun Angebote später lag der Preis bei knapp unter 1.000 Euro! Den Zuschlag erhielt dann schließlich ein “Hausmeister-Service” aus Köln. Das war der günstigste, erinnert sich Johannes M: “Die zwei Männer die sich dann die Baustelle in unserem Haus ansahen, haben sofort erklärt, das sei alles kein Problem.” Und am ersten Arbeitstag kamen die beiden dann auch tatsächlich pünktlich und legten los. Erstmal alle Fliesen runter. Schon am zweiten Tag erreichte M. ein Anruf des Hausmeister-Service: “Plötzlich wollten die mehr Geld”, sagt Johannes M. Am Abend des dritten Tages waren die ersten Fliesen an der Küchenwand. Und sofort war Johannes M. klar: “Hier ist stümperhaft gearbeitet worden.” Nicht eine Fliese war gerade geklebt.

Am nächsten Tag wurde es dann auf der Baustelle ein wenig lauter. M. bestand darauf, dass der Fliesenspiegel in der Küche komplett neu gemacht werden müsse. Die Männer vom “Hausmeister-Service” reagierten auf ihre eigene Art: Kommentarlos verließen sie das Einfamilienhaus in Hürth. Heute wissen Johannes und Petra M.: “Das war das Beste, was uns in dieser verkorksten Situation passieren konnte.” Weiteren Kontakt mit dem Hausmeister-Service gab es fortan nur noch schriftlich, einen Teil der gestellten Rechnung haben die M’s. sogar bezahlt. Weil ja tatsächlich ein Teil der Arbeiten wie etwa der Abriss aller alten Fliesen erledigt worden war.

Nur, die neuen Fliesen waren damit immer noch nicht an der Wand und der Tag des Einzuges rückte immer näher. Johannes M.: “Wir konnten dann zum Glück einen Fachmann finden, der uns geholfen hat.” Etwa 2.000 Euro hat der Einsatz des Fachmannes gekostet – ohne Ärger und pünktlich zum Einzug fertig geworden ist der Fliesenleger auch. “Wir sind da noch einmal glimpflich davon gekommen”, sagt Johannes M.

Den Ärger möchte er allerdings nicht noch einmal erleben und deshalb empfiehlt er aus eigener, leidvoller Erfahrung: “Beim nächsten Mal greifen wir direkt auf ein seriöses Angebot zurück.”

Der Frechener  Fliesenlegermeister Dieter Gärtner hat die “Baustelle” in Hürth selbst begutachtet. Sein vernichtendes Urteil: “Eine einzige Katastrophe! Die hatten vom Fliesenlegen keine Ahnung. So etwas habe ich jedenfalls noch nicht gesehen.” Da sei, so der Fachmann, so ziemlich alles falsch gemacht worden, was man nur falsch machen kann. Beispiel Küche: Die Wand war vorher nicht glatt gespachtelt worden. Mit fatalen Folgen, denn so konnten die kleinen roten Mosaikeinleger gar nicht gerade geklebt werden.

Beispiel Gästebad: Statt den Dünnbettmörtel mit einem Zahnspachtel aufzubringen, waren die Fliesen mit ungleich viel Mörtel an die Wand geklebt worden. So waren die Fliesen eben nicht ganzflächig mit der Wand verbunden, an anderen Stellen quoll der Mörtel dafür aus den Fugen heraus. Für Fachmann Dieter Gärtner konnte das unter diesen Umständen nur in der Katastrophe enden: Bei dem Auftrag, so hat er nachgerechnet, lagen die Materialkosten für Mörtel und Fugenmaterial alleine bei rund 250 Euro: “Da kann man die Arbeiten nicht für unter 1.000 Euro anbieten. Das ist einfach unseriös.”